Pressemeldungen

So, 31.05.2015Interviews: Mit Beffchen geboren?

Die Sommer-Ausgabe 2015 der "Haltepunkte" fragte unsere Pastorinnen und Pastoren nach Ihrem Werdegang. Der ist nicht immer in wenigen Worten zu beschreiben. Deshalb hier, noch einmal zum Nachlesen, die ungekürzten Interviews

 

Den Fragebogen entwickelten Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse im Religionskurs, Gymnasium Westerstede

 

Pastorin Heike-Regine Albrecht, Grabstede


1.    Wann haben Sie sich entschlossen, Pastor/in zu werden?

Als die Wende kam. 1989. Ich hatte bereits eine Ausbildung zur Zahntechnikerin begonnen und war dabei, zeitgleich das Abitur auf Abendschule nachzuholen, da mir das Abitur zuvor als Pfarrerskind auf schulischem Wege verwehrt wurde. Dann begann meine beste Freundin Theologie zu studieren. Etwas, worauf ich niemals selbst gekommen wäre, obwohl mein eigener Vater Pfarrer war und ich im Pfarrhaus aufgewachsen bin. Als sie mit dem Theologiestudium begann, dachte ich: „Ach, guck mal, das ist doch auch nicht schlecht. Wär´ ich gar nicht drauf gekommen...das könnte auch was für mich sein!“

2.    Warum wollten Sie Pastor/in werden?


Vor Studienbeginn stellte ich mir ganz allgemeine Fragen, wie sie sich andere Jugendliche vielleicht auch zur Berufswahl stellen: Was kann ich? Was liegt mir? Was will ich? Und ich beantwortete mir diese Fragen damals so: Ich wollte mit Menschen zu tun haben, wenn´s geht mit möglichst vielen Altersstufen. Ich wollte nicht für Geld ´meine Seele verkaufen´, sondern etwas tun mit und in meiner Arbeit, wohinter ich auch mit meinem Gewissen stehen kann. Irgendetwas Gutes sollte das sein.
Aber zuerst nahm hauptsächlich der Wunsch zum Theologiestudium Gestalt an, weniger der Pfarrberuf. Das lag alles noch sehr weit weg. Ein erster Grund Theologie zu studieren lag darin, mehr über mich selbst zu erfahren: Ich wollte wissen, worauf sich mein eigener Glaube gründet, wollte ihn so wissenschaftlich wie möglich reflektieren und ergründen, denn ich dachte: „Ich bin ja nur evangelisch, weil mein Elternhaus evangelisch ist. Wäre ich in Indien geboren, wäre ich vermutlich Hinduistin und wäre ich in Saudi Arabien geboren, wäre ich vermutlich eine Muslima.“ Also ich wollte wissen: Sind es nur die kulturellen Wurzeln, weswegen ich evangelische Christin bin oder kann ich den Glauben an den ´evangelischen´ Gott auch aus mir selbst heraus bejahen? Das war so das Erste, was mich gedanklich umtrieb.
Es waren damals auch durchaus andere Studienwünsche in meinem Kopf: Medizin, Biologie...mit Ausnahme von Physik mochte ich in der Schule die Naturwissenschaften. Mein heutiges Interesse für Homöopathie ist sichtbar der Weg, in dem sich diese frühen Wünsche wiederfinden und ihre Spur hinterlassen haben.

3.    Wo haben Sie studiert?


In Berlin. An der Humboldt-Universität. Eine tolle Zeit! Ein spannendes Studium: Philosophie, Geschichte, Sprachen, war alles dabei, was mich interessierte!

4.    Haben Sie Vorbilder und wenn ja, welche?


Ja, Dietrich Bonhoeffer. Seine Konsequenz, seine Intelligenz, seine Glaubensstärke, das alles bewundere ich. Auch Albert Schweitzer gehört dazu: Sein Einsatz in Lambarene, seine vielseitigen Begabungen und seine Ethik haben mich schon als 14jährige beeindruckt.
Und Samuel (Name geändert) aus Afrika. Ich lernte ihn als Krankenhausseelsorgerin in der Berliner Charité kennen. Er war ein Patient, ein Flüchtling, nach einer abenteuerlichen Odyssee wurde er - von wem auch immer - abgelegt vor der Notaufnahme des Klinikums. Ein Tumor am Hintern, groß wie eine Honigmelone, wurde ihm wegoperiert. Samuel hatte Krebs, aber das war nicht das Einzige. Ich las seinen Befund. Im letzten Satz stand in nur zwei Worten noch etwas: „Endstadium HIV.“ Samuel wurde in Afrika gefoltert, wiederholt im Gefängnis vergewaltigt. Er konnte nachts nicht schlafen, litt unter PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung). Ich bemühte mich um einen Homöopathen für ihn, damit dieser ihm etwas gegen seine furchtbaren Albträume geben konnte. Ich verhandelte mit den Ärzten, bis sie dieser flankierenden Behandlung zustimmten. Ich besuchte ihn oft, denn er war viele Wochen im Krankenhaus. Nie habe ich einen Menschen gesehen mit so viel Dankbarkeit und Glaubensstärke. Er hatte wirklich Glauben wie ein Berg. Mein Glaube ist ein Senfkorn dagegen gewesen und ist es noch. Wie oft stellte ich mir vor, dass der Tag bald kommen wird, an dem er stirbt. Alles sprach dafür und ich war nicht unrealistisch. Er aber sagte immer wieder: „Miracles can happen.“ „Wunder können geschehen.“ Und das Wunder geschah. Samuel gewann zunehmend an Kraft, seine Werte wurden immer besser, und am Ende konnte kein HIV mehr nachgewiesen werden. Samuel konnte entlassen werden. Ich habe auch noch nie so verwunderte Ärzte gesehen, die sich natürlich auch gefreut haben, aber irgendwie nicht verstanden, wieso seine Diagnose einen so positiven Verlauf nahm. Seine Geschichte steht außerhalb jeglicher Statistik. In der Medizin kennt man solche besonderen und sehr seltenen Fälle und spricht dann von Spontanremission. Durch meine Arbeit im Hospiz weiß auch ich, dass solche Wunder meist nicht geschehen – egal, wie viel gebetet und geglaubt wurde.
Heute ist Samuel wieder fit und munter, lebt in einer eigenen Wohnung in Berlin, spricht inzwischen gut Deutsch, jobbt hier. Sein Lebenswille, seine Lebenskraft, sein Glaube, seine Dankbarkeit – dies alles hat mich schwer beeindruckt. Wenn ich so glauben könnte wie er, das wäre schön!

5.    Kommen Sie aus einem besonders frommen Elternhaus? Sind Sie vorgeprägt?


Ich komme aus einem christlich toleranten Pfarrhaus. Meine Eltern haben uns Kinder nie zum Gottesdienstbesuch oder anderweitig religiös genötigt, haben uns vier Kinder sonntags ausschlafen lassen. Ich war freiwillig dennoch immer wieder im Gottesdienst, weil ich meinen Vater gern predigen hörte und die feierliche Stimmung mochte. Ein Sonntag wird durch einen Gottesdienst feierlicher, das empfinde ich auch heute noch so.
Meine Mutter kommt aus der pietistisch geprägten Herrnhuter Brüdergemeine, mein Vater ist ein Berliner Arbeiterkind aus dem Wedding, kam erst als Jugendlicher in Kontakt mit der Kirche und wurde vom Tischler zum Pastor. Ich erinnere mich an interessante und offene Gespräche über Gott und die Welt, ich erinnere mich an Unterhaltungen über Bücher z.B. von Aitmatov oder Dostojewski, an Gespräche über klassische Musik: meine Eltern hörten gerne J.S. Bach. Ich erinnere mich an Diskussionen über Gesellschaftssysteme und Werte, vor allem in der Wendezeit, aber auch schon vorher. Das alles hat mich sehr geprägt.

6.    Was beinhaltet der Beruf des Pastors/der Pastorin?


Zu meinem Aufgabengebiet zählen hier vor Ort viele Dinge: Gottesdienste, Konfirmandenunterricht, viele Sitzungen und Dienstbesprechungen und Pfarrkonvente, eigene Supervisionen,  Geburtstags-, Kranken- und Jubiläumsbesuche, Büroarbeit, immer wieder mal Gruppenarbeit mit Senioren, Jugendlichen und zukünftig auch Kindern, Absprachen und Organisation mit Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen, Amtshandlungen wie Trauungen, Taufen, Beerdigungen, redaktionelle Arbeiten für den Gemeindebrief oder auch mal eine Tageszeitung.
Daneben bin ich jede Woche in zwei Hospizen tätig: Im Friedel-Orth-Hospiz in Jever, welches erwachsenen Gästen Raum bietet und im Kinder- und Jugendhospiz „Joshuas Engelreich“ in Wilhelmshaven. Dieser Hospizdienst umfasst ebenfalls eine weite Spannbreite an Aufgaben: Seelsorgegespräche, Aussegnungen und Abendmahl, Andachten, aufwendig vorbereitete Gottesdienste zum Gedenken der Verstorbenen, Sitzungen und Dienstübergaben, Beratung Ehrenamtlicher in den Hospizen, Leitung von Seminaren für Ehrenamtliche.

7.    Wie viele Wochenstunden Arbeitszeit umfasst der Beruf des Pastors/der Pastorin?


Wir sollten nicht unbedingt mehr als 56h die Woche arbeiten. Das ist so ungefähr auch meine Wochenarbeitszeit.

8.    Was macht Ihnen besonders viel Freude an Ihrem Beruf als Pastor/Pastorin?


Die Vielfalt der Aufgaben. Es wird nie langweilig. Wir sind gebunden an die Ordnungen der Kirche und die Heilige Schrift, aber wir haben als Pastoren auch viel Gestaltungsfreiheit in unserem praktischen Tun.

9.    Was fällt Ihnen schwer oder was ist schwierig an diesem Beruf?


Wir Pastoren haben sehr viel mit Menschen zu tun und mit hohen Erwartungen an uns und unsere Arbeit. Das bietet immer wieder auch mal Stoff für Konflikte. Um nicht im Burnout zu landen sind Abgrenzungen nötig, aber schwierig, wenn man das wirklich durchzieht. Es ist immer das Gefühl, Enttäuschung bei anderen auszulösen.

10.    Hatten Sie jemals Zweifel, ob Sie sich für den richtigen Beruf entschieden haben?


Bisher ständig. Jetzt wird das weniger. Ich bin per se eine Suchende. Ich kann aber sagen, ich arbeite gern in diesem Beruf. Ich fühle mich beruflich auch angekommen. Der Pfarrberuf erfüllt mich, fordert mich auch immer wieder heraus, er verleiht Sinn, das alles ist mir wichtig, und er wird anständig bezahlt, was für mich als Alleinerziehende auch wichtig ist. 

11.    Was lässt Sie an die Existenz eines Gottes glauben?


Klingt vielleicht schlicht und plump, aber es ist so: Der Energieerhaltungssatz: Energie kann nicht verloren gehen. Und ich glaube, dass unsere Existenz mehr umfasst als körperliche Materie, die sich in Asche oder Erde wandelt.
Ich hatte 2003 ein Erlebnis: Ich war zusammen mit meiner Mutter am Krankenbett meines Vaters im Herzzentrum Leipzig, als dieser mit 66 Jahren starb. In dem Moment, als die Geräte abgeschaltet wurden und er starb, hatte ich das Gefühl, dieser Körper da auf dem Bett, das war er eben noch, aber jetzt ist er das nicht mehr, das ist nur noch die Hülle. Das war ein ganz heftiger, starker Eindruck. Und ich schaute nach oben, hatte ganz stark das Gefühl, er ist noch da, nur eben nicht mehr in seinem Körper. Wir können nur in den Dimensionen von Raum und Zeit denken. Mein jüngster Sohn stellte mir mit vier Jahren so Fragen, wie: „Mama, was ist denn die erste und was die letzte Zahl?“ Ich sagte: „Die letzte Zahl gibt es in dem Sinne nicht, sie ist ´unendlich´.“ Dass sich z.B. das Universum unendlich ausdehnt oder sich wie eine Nussschale krümmt oder sich Dimensionen in gewisser Weise aufrollen, wir können uns das nur schwer vorstellen. Wir wissen da einerseits schon sehr viel, andrerseits so gut wie nichts. Auch die ´Stringtheorie´ ist doch noch lange nicht das Ende der Erkenntnis. Wir stehen noch ganz am Beginn in diesen Dingen. Ich habe kein Problem mir vorzustellen, dass es andere Dimensionen gibt, auch unabhängig von Raum und Zeit und dass in diesen Dimensionen ewiges Leben bei Gott möglich ist, schon jetzt, aber eben auch nach unserem körperlichen Tod. Wir müssen versuchen in anderen Dimensionen zu denken.

12.    Und wenn Sie einmal nicht im Dienst sind, womit beschäftigen Sie sich gern?


Naja, das ist eine Frage, die kann ich nur im Konjunktiv beantworten, denn zuallererst mache ich in meiner Freizeit das, was auch sein muss: Haus putzen, Haushalt, einkaufen gehen, mit meinem Kind spielen, mit Freunden und Familie, die alle weit weg leben, telefonieren....im Moment bleibt da wirklich nicht viel mehr.
Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich gern mehr feiern, mehr tanzen, mehr Kultur erleben, mehr Sport machen, mehr lesen, mehr verreisen. Ich würde gern mal meine beiden Söhne schnappen und einen Flug buchen.  Drei Wochen irgendwohin fliegen, wo wir gemeinsam eine fremde Kultur bestaunen könnten, z.B. nach Peru. Da wohnen die Großeltern meines zweiten Sohnes und weitere Verwandtschaft. Er kennt sie noch nicht.
Heike-Regine Albrecht

 

 

Pastor Michael Trippner, Zetel

 


1.    Wann haben Sie sich entschlossen, Pastor/in zu werden?

Vor dem Abitur schwankte ich zwischen Medizin und Theologie. Ich habe dann erst Medizin studiert, schließlich das Medizinstudium aber abgebrochen und Theologie studiert. Diesen Wechsel habe ich nie bereut.

2.    Warum wollten Sie Pastor/in werden?

Der Glaube an Gott gehörte für mich bereits als Kindselbstverständlich mit zum Leben. Die tröstliche Erfahrung, dass Gott im Leben trägt, ich ihm im Gebet alles anvertrauen kann, ich von ihm Mut und neue Kraft zugesprochen bekomme, diese Erfahrung wollte ich als Pastor weiter geben.

3.    Wo haben Sie studiert?

Da ich mir mein Studium selbst finanzieren musste (als Krankenpfleger im Krankenhaus), habe ich in meiner Heimatstadt Hamburg studiert.

4.    Haben Sie Vorbilder und wenn ja, welche?


Vorbild war vielleicht mein Vater, wenn aber eher unbewusst.

5.    Kommen Sie aus einem besonders frommen Elternhaus? Sind Sie vorgeprägt?

Mein Vater war Pastor, meine Mutter gläubig, das hat mich geprägt. Allerdings bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass der Glaube nie mit Zwang oder Enge verbunden war.

6.    Was beinhaltet der Beruf des Pastors/der Pastorin?

Klassischer Inhalt des Berufs als Pastor sind die Verkündigung (Predigt, Gottesdienste), die Verwaltung der Sakramente (Taufe und Abendmahl), Unterricht und Seelsorge. Daneben nimmt heute einen großen Teil die Bürokratie ein.

7.    Wie viele Wochenstunden Arbeitszeit umfasst der Beruf des Pastors/der Pastorin?

Das ist unterschiedlich. Doch ist man als Pastor eigentlich immer im Dienst. Einen „Feierabend“ in dem Sinne gibt es nicht.

8.    Was macht Ihnen besonders viel Freude an Ihrem Beruf als Pastor/Pastorin?

Besondere Freude machen mir die persönlichen Begegnungen. Im Trauerfall oder bei freudigen Ereignissen Vertrauen geschenkt zu bekommen, erfüllt mich, lässt mich aber auch die besondere Verantwortung spüren, die ein Pastor trägt.Außerdem feiere ich gerne Gottesdienste.


9.    Was fällt Ihnen schwer oder was ist schwierig an diesem Beruf?

Schwierig am Beruf des Pastors finde ich, eine gesunde Balance zwischen Beruf und Familie/Freizeit zu finden. Letzteres kommt zu oft zu kurz.

10.    Hatten Sie jemals Zweifel, ob Sie sich für den richtigen Beruf entschieden haben?

Nein. Für mich ist es einer der erfüllendsten Berufe, die ich mir vorstellen kann.

11.    Was lässt Sie an die Existenz eines Gottes glauben?

Ich glaube, dass Gott mich, bei aller Freiheit, die ich habe, leitet. Natürlich gibt es Momente im Leben, in denen ich zweifle.Letztlich konnte ich Gott aber immer vertrauen.So drückt es für mich das Bibelwort Joh 1,14baus: „Wir sahen seine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

12.    Und wenn Sie einmal nicht im Dienst sind, womit beschäftigen Sie sich gern?

Dann ist Zeit für meine Frau und unsere drei Kinder. Und sonntagabends für den Tatort.



 


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