Christian-Vater-Orgel von 1722

Im Jahr 1720 entschloss sich die Kirchengemeinde Bockhorn eine Orgel aufzustellen. Der damals bekannte Orgelbauer Christian Vater aus Hannover, ein Schüler des berühmten Arp Schnitger aus der Wesermarsch, wurde beauftragt, eine Orgel mit 19 Registern auf zwei Manualen und Pedal auf der Westempore der Kirche zu errichten. Vater wurde für seine Arbeit mit 900 Reichstalern entlohnt. Da er auch ein passabler Organist war, wurde die neue Bockhorner Orgel zur Weihe am 25. Dezember 1722 von ihm selbst „zum ersten mahl zur Ehre Gottes gehacket“.

 

Die Orgel wurde regelmäßig repariert und gewartet. Eine große Veränderung erhielt sie im Jahr 1905, als Johann Martin Schmid aus Oldenburg, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, sieben „schreiende und schnarrende“ Register durch romantische Stimmen ersetzte und sie so ihre barocke Klangpracht verlor. Die Orgel wurde zu ihrem Nachteil so umgebaut, dass sie 2 Halbtöne tiefer klang, dazu mussten zusätzliche Pfeifen in das Gehäuse eingebaut werden und neue Klaviaturen und Pedale waren nötig. Sie erhielt eine gleichschwebende Stimmung.

 

1950 wurde die Orgel durch Alfred Führer restauriert. Dabei wurden die romantischen Register im Sinne der ursprünglichen Intention durch neue Pfeifen ersetzt. Ein erster Versuch, das alte Klangbild zu rekonstruieren. Endlich erfolgte 1983, wieder durch Orgelbau Führer, eine Rückführung zur originalen Disposition, Rekonstruktion der Spieltraktur, Einbau von drei neuen Bälgen, Verwendung der noch erhaltenen Register von 1722 sowie Erneuerung der übrigen Register in rekonstruierter Bauweise. Die Stimmung wurde wieder ungleichstufig, so wie sie von Christian Vater gedacht war.

 

2018 fand eine aufwendige Reinigung der Orgel statt. Dabei wurden auch die Zungen soweit Instand gesetzt, das sie stabil die Stimmung halten.

 

Heute begleitet  das Instrument nicht nur den Gottesdienst der Gemeinde, sondern ist das Ziel vieler Musikfreunde aus aller Welt. Auf Konzerte wird durch Plakate und die Tagespresse hingewiesen, die Termine sind auch im Gemeindebrief „Haltepunkte“ und auf unseren Internetseiten nachzulesen.

 

Disposition der Christian-Vater-Orgel von 1722

Hauptwerk

Brustwerk

Pedal

Principal 8‘ *

Flöte douce 8‘ *

Untersatz 16’ *

Gedackt 8‘ *

Gedackt 4‘ *

Principal 8‘ *

Oktav 4‘ *

Waldflöte 2‘ *

Oktav 4‘ *

Quint 3‘

Quint 1 ½‘

Rauschpfeife 2f.

Oktav 2‘ *

Sesquialter 2f.

Posaune 16’ *

Mixtur 4f.

 

Trompete 8‘

Trompete 8‘

 

 

Vox humana 8‘

 

 

 

 

 

* Pfeifenwerk original von Christian Vater (1722)

 

Manualumfang: CDE – c‘‘‘

Pedalumfang: CDE – d‘

Manualschiebekoppel

Pedalkoppel Hauptwerk/Pedal

Tremulant

Tonhöhe: ca. ½ Ton über normal

Stimmung: ungleichstufig

 

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