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Andacht vom 31. Mai 2020 - Pfingsten

Foto: nile (Nicole)

Leev Lesers, in disse Daagen fiern wi Pingsten. Domaals, an dat erste Pingstfest, hebbt de Jüngers in all Spraaken van Jesus vertellt. Un um dat is de Andacht ditmaal up Platt.

Man de Fraag is ja, wat Gott de Minsken mit Pingsten egentlik schunken hett. Un wo dat nu egentlik mit de Hillige Geist is. Wat dor in de Apostelgeschichte vertellt word, dat kann man ja sük gaarnich so recht vörstellen, un mennigeen hollt dat allns för Tüddelkroam – dat kann man ja gaarnich bewiesen. So dochen domaals enige, un ok vandaagen is dat so.

 

Viellicht kenn ji ja Lü, de seggen: Ick glöv bloot, wat ick seen kann. Sonst nix. För mi is nur dat wichtig, wat sück ook bewiesen un anfaten lett. Avers: Wo is dat denn mit de Leevde? Stellt jo dat mol för: Dor kummt en jungen Keerl un seggt to sien Fründin: Leevde? Dat bewies mi erstmaal, dat du mi leev hest, so dat ik dat richtig ankieken kann. – Ick glöv, dor kummt he nich wiet mit.

 

Un mit Pingsten, dor is dat nettso. Anfauten un seen kann man de Hillige Geist nich. Sonst geiht uns dat as en Pastor vör hunnert Jahr. He har sük utdoch, wo he sin Gemeen de Geist von Pingsten vörwiesen kunn. Mit sien Küster har he utmaakt, dat de bi en ganz bestimmtet Woord en witte Duuv in de Kark flegen laten schull. De Duuv is ja in de Bibel so´n Bild för de Hillige Geist. Un so, as se dat offmakt harren, gung de Küster ok na buten, as de Pastor mit sin Predigt anfung. He ging daarhen, wor he de Duuv in´n Käfig inspeert harr. Man as he dor henkeem, sach he nur noch en paar witte Feren rumflegen. Un he kreeg jüst noch mit, dat de Katte von de Pastor mit de Rest von de Duuv umt Eck suusde. Ja, wat doon? De Pastor har nu hall tweemaal en düdelk Stichwoord geben un keek ok hall ´n bietje vergrellt ut, as de Küster sük ´n Hart nehm un ganz luud reep: Herr Pastor, dat köönt se vergeten. De Hillige Geist, de is von hör Katte upfreten worden.

Ja, so kann man de Hillige Geist nich bewiesen. Man wat he deit un warkt, dat könen wi sehn. Un wo dat utsücht, dat het de Apostel Paulus in sien Breev an die Gemeen in Ephesus upschreeven. He vertellt dorvan, dat Gott bi de Dööp uns all sien Geist schunken hett. Un dann seggt he wieder in disse Breev in dat veerde Kapitel:

 

„Christus hett enkelde roopen as Apostels, annern as Propheten. He hett Evangelisten insett. He hett Heerders un Mesters benömt. All mitnanner sölt dorför sörgen, dat de Christen an d´Arbeit gahn un so de Gemeen, dat is Christus sin Liev upbaut word mit all sin Glieder.“

 

Paulus seggt, de Kark, de is as en Minske mit all sien Knaaken und Organe. Un so, as elkeen Deel van de Liev en anner Upgaav hett, so is dat ok in de Karkengemeen. Elkeen is gliek wichtig un word bruukt. Un up anner Sied weet ok kieneen alls an Besten or mutt alls alleen doon. As Christen, so seggt Paulus, arbeiden wi tosamen, elkeen an de Stee, wor he of se de beste Gaav to hett. En Karkengemeen, de is bunt und vöölklörig un genau dat strahlt denn ja ok ut. Un Ik kenn dor en heel bült Fraulü un Mannlü in uns Karkengemeen, de dat, wat hör van Gott schunken worden is, för annern insetten. Man ok in bi jelkeen persönelk gifft dat Teken van Gott sien Geist. Elkeen hett mehr Gaaven, as he of se villicht meent. Gaaven, mit de wi annern helpen köönt.

Man wiel Gott weet, dat uns dat mitunnerl bannig stur fallt, hett he uns sien Hilligen Geist schunken. Un wor wi disse Geist in uns marken, dor kann dat wahr worden, wat en Lied ut uns Daagen seggt: Vööl lüttje Lü an an vööl lüttje Oorten, wenn de all völ  lüttje Treden maken, denn köönen se dat Gesicht van uns Welt verännern.  Gott sien Segen un sien Geist sünd bi hör, wenn se hör Wegen gahn.

Un disse Geist, de kann van kien Katte upfreeten wor´n, de blifft för alltieden. Um dat könen wi uns „Frohe Pingsten“ wünschen.  

 

Blievt behütet und segent

Jo Annemarie Testa

Andacht vom 23. Mai 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

vor ein paar Tagen habe ich beim Stöbern in meinem Bücherregal ein kleines Heft gefunden, dass meine Mutter einmal von einer Freundin geschenkt bekommen hatte. Es trägt den plattdeutschen Titel „Hebb ick as en Boom good dragen?“ Mir gefällt dieses Bild, das uns Menschen mit einem Baum vergleicht. Gerade an Bäumen können wir auch besonders deutlich den Wechsel der Jahreszeiten miterleben – im Frühjahr, wenn die Knospen zu blühen beginnen, im Sommer, wenn die Blätter ein grünes Dach bilden, im Herbst, wenn die Früchte reif werden und die Blätter sich verfärben und schließlich im Winter, wenn nur noch die kahlen Äste zu sehen sind.

                   

Foto: Heiko Stein

 

Aber ich denke, dass Bäume mehr sind als nur das, was wir äußerlich sehen. Bäume sind ein uraltes Symbol für menschliches Leben. Ich denke, dass wir uns mit unserem Leben und unseren Erfahrungen mit Bäumen vergleiche können. Vielleicht hat man darum auch häufig bei der Geburt eines Kindes einen Baum gepflanzt, so dass beide gemeinsam aufwachsen. Oder denken wir an das bekannte Lied von Paul Gerhard: Geh aus, mein Herz, und suche Freud, wo es in der 14. Strophe heißt: Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzeln treiben.

Wir können unsere eigenen Erfahrungen im Bild des Baumes wiederfinden: die guten, wie die schlechten, die Hoffnungen und Gefahren, die Verletzungen und Veränderungen.

Und so wie ein Baum, der die Nährstoffe eines guten Bodens bekommt, in der Regel auch gute Früchte trägt, so kann auch jeder von uns nach seinen Begabungen Früchte und Blüten tragen. Für den Beter des 1. Psalms ist dieser gute Boden das Wort Gottes. Menschen, die ihren Halt im Wort Gottes und in seiner Liebe finden, die sind, so sagt er, wie ein Baum, der nah am Wasser gepflanzt ist, der Frucht trägt Jahr für Jahr und dessen Blätter nie verwelken.

(Ps 1, 3) Und diese Früchte sehen sehr vielfältig aus. Wo wir zum Beispiel einem anderen Menschen Mut zusprechen oder ihn trösten, wo wir einander vergeben und nach Wegen des Friedens suchen, da sind wir wie ein Baum, der Früchte und Blüten trägt, so dass Gottes Liebe sichtbar wird. Sicherlich wird uns das nie in der Fülle gelingen, denn keiner von uns ist perfekt. Aber eines bleibt, der Segen Gottes, der uns Licht, Wärme und Halt schenkt, Tag für Tag.

 

Der Theologe Jörg Zink hat das einmal so umschrieben:

Was ich dir wünsche? Nicht, dass du der schönste Baum bist; nicht, dass du jahraus, jahrein leuchtest von Blüten und Früchten an jedem Zweig.

Aber dass dann und wann an deinem Ast Blüten aufbrechen oder Früchte gedeihen, dass ein Wort deiner Liebe ein Herz erwärmt – das wünsche ich dir.

Ich wünsche dir nicht, dass du glatt und senkrecht wie eine Pappel bist oder elegant wie eine Zypresse. Aber ich wünsche dir, dass du mit allem, was krumm an dir ist, an einem guten Platz leben darfst und im Licht des Himmels,

dass auch, was nicht gedeihen konnte, gelten darf, dass auch das Knorrige und Unfertige an dir und deinem Werk in der Gnade Gottes Schutz findet und dass aus dir diese Liebe Gottes heraussprießt für andere.

 

 

Bleiben Sie und bleibt Ihr behütet und gesegnet.

Ihre und Eure Annemarie Testa

 

Andacht vom 17. Mai 2020

 Liebe Leserinnen und Leser,

 

auf einer Wiese liegen oder im Gartenstuhl sitzen, den Wolken zuschauen, wie sie am Himmel vorbeiziehen und dabei den Gedanken freien Lauf lassen: Für viele ist das wie eine kleine Auszeit, in der auch die eigenen Träume wieder zu Wort kommen dürfen. Aber eigentlich sind Träume zu jeder Zeit ein Antriebsmotor für unser Leben. Im Volksmund heißt es zwar: „Träume sind Schäume“ und gemeint ist damit, dass man nicht vor sich hinträumen und dabei die Realität aus dem Blick verlieren soll. Dann kann das Erwachen tatsächlich böse sein, wenn man plötzlich merkt, dass man nur in einer Traumwelt gelebt hat. Aber umgekehrt, was wäre die Welt ohne Träume und Phantasien – gerade auch jetzt? Eine farblose, gefühlskalte und hoffnungslose Welt. Träume sind wichtig für unser Leben und für unsere Welt. Sicher, manche Träume bleiben unerfüllt, lassen uns manchmal sogar an der Zukunft zweifeln oder verzweifeln. Andere Träume werden Wirklichkeit und gelangen zur Erfüllung. Auch die ersten Jünger Jesu haben damals vom Anbruch des Reiches Gottes geträumt und davon, dass Jesus der Messias ist. Ich kann mir vorstellen, dass so mancher aus dem Umfeld von Petrus, Johannes und den anderen Jüngern sie eindringlich davor gewarnt hat, alles hinter sich zu lassen, um sich mit Jesus auf den Weg zu machen. „Was wollt ihr? Lauft doch nicht jemandem nach, der euch etwas von einer besseren Welt erzählt. Das Leben ist nun mal, wie es ist.“ Doch die Jünger haben sich ihre Träume nicht nehmen lassen, sondern haben sich immer wieder dafür eingesetzt und engagiert, dass sie Erfüllung finden. Auf diesem Weg haben sie Menschen geholfen, die Gegenwart nicht nur zu ertragen, sondern auch zu verändern.

 

Wie die Jünger sind auch wir eingeladen, diesen Traum weiter zu träumen und am Bau des Reiches Gottes mitzuarbeiten. In einem Lied aus unseren Tagen heißt es: Geht nun hin, bewahrt den Traum, den wir alle hatten. Erde gibt für viele Raum, so für Mensch und Tier und Baum; Friede ist kein Schatten. Glaube, Liebe, Hoffnung sind die Erkennungszeichen, wehen wie ein sanfter Wind, wo sich Finsternis noch find´, muss sie ihnen weichen.

 

In diesem Sinne grüße ich Sie und Euch ganz herzlich mit einem Segenswunsch der Autorin Christa Spilling-Nöker

 

Höre auf die Stimme

des Engels

und folge dem Ruf

deines Herzens,

der dich

mit dir selbst

ans Ziel bringen will,

auch wenn der Weg

unbequem ist,

beschwerlich

und weit.

Am Ende aber

leuchtet dir ein Land

voller Segen.

 

 

Bleiben Sie und bleibt Ihr behütet und gesegnet.

Ihre und Eure Annemarie Testa

 

Andacht vom 10. Mai 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

in den zurückliegenden Tagen ging mir des Öfteren ein Lied durch den Kopf, das mich immer wieder sehr berührt. Es ist das Lied: „Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt“. Diese Liedzeilen sind mir nicht nur deshalb eingefallen, weil wir in den zurückliegenden Wochen beobachten konnten, dass in der Natur tatsächlich wieder alles grünt und blüht. Die Worte erinnern mich auch an das Ende des Zweiten Weltkriegs, das sich am 8. Mai nun zum 75. Mal gejährt hat.


Der Text dieses Liedes stammt von dem jüdischen Schriftsteller Schalom Ben-Chorin.  Damit verbunden ist eine besondere Geschichte. Schalom Ben-Chorin wurde 1913 in Deutschland geboren. Damals hieß er noch Friedrich Rosenthal.  Er wurde von den Nazis mehrfach verhaftet und floh 1935 nach Israel. Dort nannte er sich dann Schalom Ben-Chorin. Übersetzt bedeutet dieser hebräische Name „Frieden, Sohn der Freiheit“.  Mitten im Zweiten Weltkrieg dichtete er diese Zeilen. „Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?“ Den Mandelbaum gab es wirklich: Er stand hinter dem Haus des Dichters. So konnte er ihn von seinem Arbeitszimmer aus immer sehen. Es war Zweiter Weltkrieg. Und als der Dichter in dieser furchtbaren Zeit nach draußen sah, entdeckte er eines Tages, wie die Mandelblüten aufgingen. Für ihn war das ein Bild dafür, dass es auch in schrecklichsten Zeiten Vorboten des Frühlings gibt. Und gleichzeitig waren sie für ihn ein Zeichen dafür, dass immer wieder Hoffnung aufkeimt, dass das Schlimme auch vorbeigeht und nicht das letzte Wort behält. Schalom Ben-Chorin hat die Hoffnung auf Frieden nie aufgegeben – auch nicht für Israel und Palästina. Und so schrieb er die Worte:
„Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht in Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, das bleibt mir ein Fingerzeig für des Lebens Sieg.“


Der Liedermacher Fritz Baltruweit, der diese Worte später vertont hat, traf den jüdischen Dichter einmal in Jerusalem und spielte ihm das Lied vom Mandelbaum vor.  Später berichtete er: „Wir haben einen wunderschönen Abend zusammen gehabt - und Schalom Ben Chorin erzählte dann, dass dieser Baum irgendwann umgehauen wurde und Platten in den Hof gelegt wurden. Doch eines Tages haben sich die Wurzeln des Baumes wieder den Weg durch die Platten gebahnt. Er sagt dazu: ‚Die Hoffnung ist nicht totzukriegen’.“


Das Leben siegt – diese Worte können noch immer Hoffnung in uns aufblühen lassen, gerade dann. wenn wir sehen, wie häufig auch heute noch Hass und Gewalt an der Tagesordnung sind. Und sie schenken uns Hoffnung in der jetzigen Zeit mit Corona. Denn auch wenn es inzwischen manche Lockerungen gegeben hat, auch wenn wir am 17. Mai, das erste Mal wieder in unserer Bockhorner Kirche gemeinsam Gottesdienst feiern dürfen, eine Rückkehr zur Normalität ist das noch lange nicht. Sorge und Angst, aus den unterschiedlichsten Gründen heraus, bleiben unser täglicher Begleiter. Aber darüber hinaus bleibt die Hoffnung, so wie der Apostel Paulus es im Römerbrief schreibt: „Hoffnung lässt nicht zuschanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ In diesem Sinne grüße ich Sie und Euch ganz herzlich mit einem Segenswort aus Irland:

 

Gottes Liebe wärme dich.
Gottes Gegenwart umstrahle dich.
Gottes Geist möge in dir sein.
Gottes Kraft soll in dir wirken.
Gottes Zärtlichkeit soll dich beschützen.
Gottes Friede soll dich umgeben und dein Leben blühen lassen.

 

Andacht für die Kirchengemeinde Bockhorn
von Annemarie Testa

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