Das Ostfenster in der St. Martins-Kirche

Fensterfotos (2): Heike Benner

Seit Februar 2011 hat die St.-Martins-Kirche ein neues Ostfenster, nachdem mehr als 20 Jahre das alte, fast schwarze Glasfenster ein dauerndes Ärgernis darstellte. Theologisch war es sehr fragwürdig, dass ausrechnet dort im Osten, wo Jesus als das Licht der Welt sichtbar werden sollte, kein Tageslicht eindringen konnte.

 

Nach 3-jähriger Planung, zahlreichen Entwürfen und Diskussionen im Gemeindekirchenrat und dem theologischen Ausschuss hat der bayerische Künstler Helmut Walter aus Donauwörth in Zusammenarbeit mit den Neuenburger Glaswerkstätten Werner Koch, dem Restaurator Lars Böhner und dem ortsansässigen Tischler Albert Hobbie dieses künstlerisch hochwertige Fenster geschaffen.

 

Nunmehr dringt das Tageslicht in die Kirche ein, verändert auch immer wieder im Tageslauf den Eindruck des Fensters.

 

 

Das Blau ist die Farbe der Transzendenz, die Farbe der Unendlichkeit Gottes; die bunten „Flecken“ sollen die Vielfarbigkeit Gottes andeuten; Alpha und Omega deuten Gott als Anfang und Ende an (griechisches Alphabet).

Das vergoldete Kreuz entstand einerseits aus der Notwendigkeit, ein Fensterkreuz erhalten zu müssen, korrespondiert aber auch mit dem Passionskreuz des mittelalterlichen Schnitzaltars.

Der Schriftlichkeit auf dem Glasfenster liegt zunächst die Idee zugrunde, dass Gott in seiner ganzen Fülle nicht fassbar ist, daher also auch nur einzelne Worte lesbar sein sollen. Durch die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn Jesus spricht Gott in der Heiligen Schrift zu den Menschen. Alle Zitate auf dem Ostfenster stammen aus dem 1. Kapitel des Johannes-Evangeliums:

-       Vers 1: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.

-       Vers 4: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

-       Vers 14: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns ...

 

Im Ostfenster kommt die Theologie der Freude des Auferstandenen zum Ausdruck und bildet einen reizvollen Gegensatz zum dargestellten Leiden des Passionsaltars.

 

Heike Ahlborn

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